Fotoausstellung »Verlassen und vergessen«


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Einladung

Gemeinsam mit Jens Polz stellte ich von Oktober 2012 bis Januar 2014 an mehreren Orten in Jena Bilder verlassener Orte aus. Für diejenigen, die uns auf bestimmte Bilder ansprechen wollen oder die Ausstellung nicht sehen konnten, habe ich alle Rahmen auf dieser Website zusammengestellt.

Vergangene Ausstellungstermine:

Der morbide Surrealismus verwaister Architektur

(Begleittext zur Ausstellung, Jens Polz & Thomas Lotze im Oktober 2012)

Thomas' Titelbild der Ausstellung

Das Werden und Vergehen von Unternehmen ist Teil jeder gesunden, funktionierenden Marktwirtschaft. Erfolgreiche Firmen wachsen und gedeihen, Fehlplanungen und Unangepasstheit an sich ändernde Marktbedingungen führen zu Insolvenz und Liquidation.

Der politische Umschwung jedoch, der 1989/1990 die DDR ergriff, zog große strukturelle Umwälzungen nach sich. In deren Folge wurden allein durch die Treuhandanstalt bis zur ihrer Auflösung Ende 1994 mehr als 3700 Unternehmen abgewickelt, die aus den Volkseigenen Betrieben hervorgegangen waren. Ein großer Teil der Liquidationsmasse bestand aus den Gebäuden, die die Betriebsstätten beherbergten. Deren Nachnutzung gestaltete sich aufgrund der massiv zurückgegangenen industriellen Produktion und der stark einsetzenden Abwanderung von Menschen aus den neuen Bundesländern schwierig. Sich selbst überlassen und dem Verfall preisgegeben sind noch heute viele Relikte dieser Zeit in Städten und Gemeinden der neuen Bundesländer zu finden.

Jens' Titelbild der Ausstellung

Auch die ca. 1500 Liegenschaften der sowjetischen Truppen in der ehemaligen DDR (Kasernen, Fernmeldeeinrichtungen, Depots, Bunker, Übungsplätze, Wohnsiedlungen, Sanitätseinrichtungen), wurden mit deren Abzug bis Ende August 1994 obsolet. Die Umnutzung dieser Areale, die eine Fläche von 290.000 Hektar umfassten, gestaltete sich nicht zuletzt wegen zurückgebliebener Altlasten, wie Schrott, Sperrmüll, Munitionsresten, Treib- und Schmierstoffen schwierig und auch den teils stark abgewirtschafteten Gebäuden war zu großen Teilen keine Zukunft beschieden.

Während die nach der Wiedervereinigung schnell wachsende Szene von Graffitikünstlern und Sprayern sich dieser Objekte bemächtigte und auch Vandalismus und Zerstörung nicht davor Halt machten, ist mit dem Einzug der digitalen Fotografie die Formierung einer neuen Strömung von Menschen zu beobachten, die sich selbst Urban Explorer (zu Deutsch: städtische Entdecker) nennen. Unter dem Motto »Take nothing but pictures, leave nothing but footprints.« (»Nimm nichts mit als Fotos, hinterlasse nichts als Fußabdrücke.«) haben es sich diese Leute zur Aufgabe gemacht, den vergänglich morbiden Charme dieser Gebäude zu erkunden und für die Nachwelt zu dokumentieren.

Die hier ausgestellten Werke sind auf einigen Streifzügen durch leer stehende Gebäude und Industriebrachen in Mitteldeutschland entstanden und sollen die Faszination und die Anziehungskraft verdeutlichen, die diese Schönheit des Verfalls ausübt.


06.03.2014